Warum Making Thurgau?
Making Thurgau verbindet einen pädagogisch fundierten und praxisnahen Ansatz mit Erfahrungen aus Unterricht, Forschung, Weiterbildung und Schulentwicklung. Im Zentrum steht nicht die Frage, welche Geräte eine Schule einsetzt, sondern welche Lernprozesse sie ermöglichen möchte und wie Maker Education im Schulalltag tragfähig umgesetzt werden kann.
Kinder und Jugendliche entwickeln eigene Ideen, arbeiten an offenen Problemstellungen, lernen aus Fehlern und gestalten mit analogen und digitalen Werkzeugen. Dabei geht es nicht nur um Produkte, sondern um Lernprozesse, Zusammenarbeit und Verantwortung.
Das Thurgauer Modell versteht Making als fachübergreifenden Zugang, der Gestaltung, Technologie, Kreativität und Kompetenzentwicklung miteinander verbindet. Es bündelt Erfahrungen aus Praxis, Forschung und Weiterbildung und macht sie für Schulen nutzbar.
Praxisexpertise aus dem Schulalltag
Mehrere Dozierende im Team arbeiten selbst als Maker Teacher an Schulen. Sie kennen die Chancen und Herausforderungen von Making aus eigener Unterrichtspraxis: offene Aufgaben, unterschiedliche Projekte, die gleichzeitig laufen, Materialfragen, technische Stolpersteine, Rollenklärung, Zeitdruck und Zusammenarbeit im Team.
Diese Erfahrung ermöglicht eine Beratung, die nahe am Schulalltag ist und realistische Umsetzungsmöglichkeiten in den Blick nimmt. Dabei geht es auch um die Frage, wie offene Making-Prozesse so gestaltet werden können, dass Freiraum, Struktur, Begleitung, Dokumentation und Reflexion sinnvoll zusammenspielen.
Forschung und Entwicklung über mehrere Jahre
Making Thurgau baut auf mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf. Grundlagen wurden im Forschungsprojekt MakerSpace – Raum für Kreativität (2017–2021) gelegt. Darauf aufbauend wurden in der Making Erprobung Thurgau (2020–2023) mit fünf Thurgauer Pilotschulen Erfahrungen zu MakerSpaces als schulischen Lernumgebungen gesammelt, ausgewertet und für weitere Schulen nutzbar gemacht.
In den Projekten wurde untersucht, welche Ansätze sich im Schulalltag bewähren, welche Herausforderungen sichtbar werden und welche Bedingungen für eine nachhaltige Umsetzung wichtig sind. Dabei zeigt sich: Ein MakerSpace allein reicht nicht aus, um eine Lernkultur nachhaltig zu verändern. Entscheidend ist deshalb nicht die Ausstattung allein, sondern das Zusammenspiel von Raum, Unterricht, Rollen, Teamkultur, Weiterbildung und Organisation.
Kompetenzentwicklung beim Making
Making geht über das Herstellen eines Produkts hinaus. Im Zentrum steht der Gestaltungs- und Erkenntnisprozess: Schülerinnen und Schüler entwickeln Ideen, erproben Lösungswege, lernen aus Fehlern, überarbeiten ihre Vorhaben und reflektieren ihre nächsten Schritte.
Dabei entwickeln sie fachliche und überfachliche Kompetenzen: Kreativität, Problemlösefähigkeit, Zusammenarbeit, Selbstorganisation, Resilienz, technische und gestalterische Fähigkeiten sowie verantwortungsvolles Handeln. Making Thurgau versteht Making als breiten, fachübergreifenden STEAM-Zugang, der über MINT und Informatik hinausgeht und Bezüge zu Medien und Informatik, TTG, NMG, Gestaltung, Sprache, BNE und kultureller Bildung ermöglicht.
Mit dem Kompetenzrahmen MakeComp4School werden diese Kompetenzen sichtbar und für den Unterricht beschreibbar. Dadurch lassen sich Making-Aktivitäten pädagogisch begründen, gezielt planen und gemeinsam mit den Lernenden weiterentwickeln.
Professionalisierung von Maker Teacher
Seit mehreren Jahren bildet die PHTG Lehrpersonen zu Maker Teachern weiter, unter anderem im CAS Making in der Schule. Im Zentrum steht der Aufbau didaktischer und methodischer Kompetenzen in Maker Education.
Dabei geht es nicht in erster Linie um Technologie, sondern um die Gestaltung und Begleitung offener Lernprozesse: Fehlerkultur, Kreativität, Dokumentation, Reflexion, Begutachtung und die Rolle als Multiplikatorin oder Multiplikator im Schulteam sind zentrale Bestandteile.
Lehrpersonen müssen nicht jede technische Frage selbst lösen können. Entscheidend ist, dass sie Making-Prozesse pädagogisch rahmen, Schülerinnen und Schüler beim Entwickeln eigener Ideen unterstützen und eine Lernkultur fördern, in der Neugier, Mut, Zusammenarbeit und Eigeninitiative möglich werden.
Making als Schulentwicklung
Making betrifft nicht nur einzelne Unterrichtssequenzen, sondern die Schule als Lern- und Arbeitsort. Das Thurgauer Modell nimmt deshalb mehrere Ebenen in den Blick:
Unterrichtsentwicklung: offene Aufgaben, kreative Prozesse, Reflexion und Kompetenzaufbau
Personalentwicklung: Weiterbildung, Rollenklärung und gemeinsame Praxisentwicklung
Organisationsentwicklung: Räume, Zeitgefässe, Zuständigkeiten, Kommunikation und Verankerung
Making wird damit nicht als zusätzlicher Programmpunkt oder einmaliges Projekt verstanden. Es kann Schritt für Schritt aufgebaut, im Schulalltag erprobt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Entscheidend ist, dass Unterricht, Räume, Rollen, Teamkultur und Organisation zusammengedacht werden. Raum, Material und Technologie werden dabei ausgehend von den pädagogischen Zielen, den vorhandenen Ressourcen und den Rahmenbedingungen der Schule geplant. Digitale Werkzeuge, 3D-Drucker, Lasercutter sowie Elemente des Physical Computing wie Microcontroller oder Sensoren sind Mittel, um Ideen sichtbar, bearbeitbar und reflektierbar zu machen.