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Eva Quni ist Primarlehrerin im Zyklus 2 und PICTS an der Volksschule Baden. Am Schulstandort Rütihof hat sie Flo# im Schuljahr 2024/25 eingeführt, an der Tagesschule Ländli begleitet sie aktuell die Vorbereitungen. Im Gespräch erzählt sie, wie der Start gelungen ist, welche Rolle Lehrpersonen und Eltern spielen und was sie anderen Schulen empfiehlt.

Wie bist du auf Flo# aufmerksam geworden?

Flo# kannte ich bereits über den imedias-Newsletter. Der konkrete Auslöser war dann mein CAS PICTS an der FHNW und der PH Zürich. Im Erweiterungsmodul Medienprävention ging es darum, zu analysieren, wo die eigene Schule steht und welche Bedürfnisse es gibt. Das hat mir den Raum und die Zeit gegeben, Flo# wirklich einzuführen. Denn es braucht einen Initialaufwand, um sich gemeinsam mit dem Team und der Schulleitung auf den Weg zu machen. Flo# ist für mich ein Schulentwicklungsvorhaben, das nicht einfach nebenbei läuft.

Wie hast du die Einführung vorbereitet? Gab es anfangs auch Widerstände oder Unsicherheiten?

Ich habe zuerst Gespräche mit den verschiedenen Anspruchsgruppen geführt: mit den Lehrpersonen von Kindergarten bis 6. Klasse, der Schulsozialarbeit und der Schulleitung. Der Tenor war überall ähnlich: Mediennutzung ist ein grosses Thema, es gibt viel Halbwissen und wir müssen etwas machen. Das war für mich eine gute Ausgangslage. Die Schulleitung stand hinter dem Vorhaben und gab mir freie Hand. Auch im Team gab es kaum Widerstand. Es waren eher Unsicherheiten da, gerade bei Lehrpersonen, die sich im Umgang mit digitalen Medien selbst nicht so sicher fühlten.

 Was hat den Lehrpersonen geholfen, sich auf Flo# einzulassen?

Mir war wichtig, den Lehrpersonen Sicherheit zu geben. Am Ende des Weiterbildungstages mit imedias wusste jede Person, welches Atelier sie am Flo# Anlass übernehmen würde. Wer etwas Neues ausprobieren wollte, konnte auf meine Unterstützung als PICTS zählen. Es war aber genauso in Ordnung, etwas zu wählen, das bereits vertraut war. Alle sollten in ihrer Komfortzone arbeiten können. Auch die technische Vorbereitung mit Geräten und Apps habe ich übernommen. Ich habe versucht, den Lehrpersonen «den Teppich auszurollen», damit sie sich ganz auf den Anlass konzentrieren konnten.

Im Projekt Flo# werden die Eltern ins Boot geholt. Wie haben die Eltern auf euren ersten Anlass reagiert?

Vor dem ersten Anlass war die Stimmung tatsächlich etwas angespannt. Er war obligatorisch und fand an einem Samstagmorgen statt. Ich glaube, einige Eltern kamen mit dem Gefühl: Jetzt sagt man uns, dass wir zu Hause alles falsch machen. Das hat sich aber schnell gelöst. Wir haben von Anfang an klargemacht: Wir haben auch nicht die perfekte Lösung. Wir möchten gemeinsam schauen, wie wir den Kindern das Schwimmen in der digitalen Welt beibringen können. Dieses Bild wird im Projekt Flo# immer wieder aufgegriffen und passt für mich sehr gut. Im Nachhinein erhielten wir viele positive Rückmeldungen.

Wie hat sich Flo# seit dem ersten Durchgang an eurer Schule entwickelt?

Nach dem ersten Durchgang wussten wir besser, was zu unserer Schule passt und wo wir noch Anpassungen brauchen. Die Ateliers kamen im Z2 Team so gut an, dass wir sie in den Jahreskalender aufgenommen haben, , auch wenn die Eltern nicht jedes Mal dabei sind. Wir binden zudem bestehende Angebote ein, etwa das Präventionsmodul der Stadtpolizei Baden und die Schulsozialarbeit. So wird die Medienprävention nicht an eine einzelne Person delegiert, sondern von verschiedenen Beteiligten gemeinsam getragen. Inzwischen kennen wir die Abläufe, und auch bei den Eltern hat sich herumgesprochen, dass Flo# ein guter Anlass ist.

Was sind deine drei wichtigsten Tipps für Schulen, die mit Flo# starten möchten?

Erstens braucht es eine klare Verantwortlichkeit: Wer begleitet das Projekt und hält die Fäden in der Hand – die Schulleitung, eine PICTS-Person oder jemand anderes?

Zweitens lohnt sich eine Mehrjahresplanung. Dabei sollte man nicht nur die einzelnen Anlässe planen, sondern auch überlegen, wer einbezogen wird: Lehrpersonen, Betreuung, Hort, Schulsozialarbeit oder vielleicht auch der Elternrat.

Und drittens sollte jede Schule ihre eigenen Bedürfnisse gut reflektieren. Was aus dem Programm passt zu unserer technischen Ausstattung, unserem Unterricht und unserer Zusammenarbeit mit den Eltern? Flo# ist flexibel. Wichtig ist, dass die Umsetzung zur eigenen Schule passt.

Für mich geht Flo# in die richtige Richtung, weil es Kinder befähigt, statt einfach nur zu verbieten. Gleichzeitig nimmt es auch den Eltern den Druck, zu Hause alles perfekt machen zu müssen. Schule, Eltern und Fachpersonen tragen gemeinsam dazu bei, dass Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien entwickeln können.

 

Das Gespräch führte Sabrina Meier, Dozentin Medien und Informatik und Koordinatorin von «Flo# – ein Präventionsangebot für Schulen»