Was beschäftigt sie am meisten?
Prüfungen, die Sorge um die berufliche Zukunft sowie den allgemeinen Terminstress setzen ihnen am meisten zu.
Doch der Druck endet nicht an der Schulgrenze. Wenn Jugendliche über den eigenen Alltag hinausblicken, sehen sie eine Welt, die ihnen ebenfalls Sorgen bereitet: Kriege, eine ungewisse Zukunft, politische Entwicklungen, der Klimawandel, Ungerechtigkeiten. Rund ein Drittel trägt dabei beides gleichzeitig: schulischen Leistungsdruck und globale Unsicherheit. Dies oft ohne klare Trennung zwischen dem einen und dem anderen.
Mädchen und junge Frauen sind dabei in fast allen Bereichen deutlich stärker belastet als ihre männlichen Altersgenossen. Rund 10 % befinden sich aktuell in Therapie.
Die Versuchung, schnell auf Social Media zu zeigen – und warum sie in die Irre führt
Mit dem Lesen der Zahlen könnte man versucht sein, den einfachen Schluss zu ziehen, dass die stundenlange Nutzung des Smartphones und Social Media zu dieser Belastung beitragen. Diese Logik ist verständlich, aber die Studie stützt sie nicht.
Soziale Medien rangieren in der Stressorliste auf dem letzten Platz. 50,9 % fühlen sich selten oder nie dadurch gestresst. Wie lange jemand täglich am Bildschirm ist, sagt wenig darüber aus, wie belastet er sich fühlt. Viel entscheidender sind Schulstress, Zukunftsangst und die grossen Sorgen um die Welt.
Das bedeutet aber nicht, dass die Mediennutzung irrelevant ist. Pauschale Schuldzuweisungen an TikTok oder Instagram greifen an der falschen Stelle. Die Studie liefert hier ein differenzierteres Bild und damit auch ein besseres Werkzeug für alle, die mit Jugendlichen arbeiten.
Screentime ist nicht das Problem
Im Schnitt sind Jugendliche über 4 Stunden pro Tag Online. Dabei fällt auf, dass problematische Nutzungsmuster nicht von der reinen Nutzungsdauer abhängen. Vielmehr ist die Frage, ob man aufhören kann, wenn man es möchte. Die Mehrheit der befragten Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren sagen, dass dies schwierig ist.
Die Frage im Unterricht ist darum nicht: «Wie lange bist du online?», sondern «Was passiert, wenn du aufhören willst?»
ChatGPT bei Sorgen - gleichauf mit der 147
10 % der Befragten wenden sich bei persönlichen Sorgen an ein KI-Tool wie ChatGPT. Dies sind etwa gleich viele wie sich an die Notrufnummer 147 wenden Dies ist ein Hinweis darauf, was (KI-)Medienkompetenz heute auch umfassen muss. Nicht nur Quellenkritik, erkennen von Bias und so weiter, sondern auch, was KI bei problematischen Themen leisten kann und was nicht. Die Tools werden von den Jugendlichen genutzt, ob sie das auch reflektiert tun?
Hier liegt eine der direktesten Anknüpfungsmöglichkeiten für den Unterricht: Was habe ich ChatGPT schon erzählt? Was hätte ich lieber einem Menschen gesagt? Und warum nicht?_
Die Studie liefert auf rund 60 Seiten detaillierte Daten zu Stressoren, Resilienzfaktoren, Nutzungsmustern und Geschlechterunterschieden. Wer mit 14- bis 25-Jährigen arbeitet, findet darin Grundlagen für Unterrichtsgespräche, Argumentationshilfen für Elternabende und Grundlagen für Schulentwicklung..
Pro Juventute Jugendstudie 2026 – kostenlos herunterladen
Autor: Lars Nessensohn, Dozent Medien und Informatik
Quelle: Pro Juventute Jugendstudie 2026. YouGov Schweiz / KJPP der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK/UZH), März 2026.